- April, Sonntag
Da am Samstag in Lahore ein Orientation
Seminar für die Pakistanis die im Sommer nach Deutschland kommen
stattgefunden hat, sind Karen und ich am Freitag Abend von Islamabad
mit dem wirklich sehr komfortablen Bus inklusive Wlan über den
neuen, gut ausgebauten und für von Tieren gezogenen Karren
gesperrten Highway nach Lahore gefahren. Lahore ist im Gegensatz zu
Islamabad eine richtige pakistanische Stadt. Während Islamabad
relativ ruhig ist und auch der Verkehr sehr erträglich ist, ist
Lahore so wie das urbane Pakistan wirklich ist: Voll, laut, dreckig
aber auch sehr bunt, lebendig und es ist immer etwas los. Außerdem
ist Lahore bekannt als die kulturelle Hauptstadt Pakistans. Trotzdem
werden jetzt erst in Pilotprojekten die offenen Abwasserkanäle in
geschlossene Abwasserleitungen umgebaut und auch sonst ist vieles
wirklich noch sehr rückständig. Transporte innerhalb der Stadt
werden oft mit Eselkarren vollzogen, wer sich zum Beispiel ein neues
Sofa kauft kann fast sicher davon ausgehen, dass dieses von einem
Esel mit Anhänger geliefert wird. Prof. Jamal Malik und vor ihm der
Philosoph Ernst Bloch nennen das die Gleichzeitigkeit des
Ungleichzeitigen. Ansonsten stehen an jeder Ampel Kinder und
Erwachsene die einem die verschiedensten Dinge verkaufen wollen oder
aber auch einfach nur betteln. Während der drei Tage habe ich fast
alle Klassen von normal arm bis für pakistanische Verhältnisse sehr
wohlhabend erlebt. Mein pakistanischer Freund Suleman, den ich auf
der Fall School letztes Jahr kennen gelernt habe und der Weihnachten
mit meiner Familie verbracht hat, wohnt mit seinen vier Schwestern
und seiner Mutter in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung plus Miniküche
und Minibad.
Das ist zwar nur eine temporäre Wohnung, die gemietet
wurde damit die eigentlich im Dorf wohnende Familie beim einzigen
Sohn sein kann während dieser studiert. Allerdings leben natürlich
viele Familien immer unter solchen Bedingungen, die für
pakistanische Verhältnisse wirklich noch ziemlich gut sind. Die
zweite Wohnung die ich gesehen habe war dann schon in einer gehobenen
Gegend und bestand aus drei Zimmern mit aufwendigerer Einrichtung.
Das mit Abstand beste Haus, das ich letztes Wochenende gesehen habe,
stand in einer sogenannten Gated Community und war eigentlich
vergleichbar mit einem großen Reihenhaus in Deutschland. Der Preis
für so ein Haus beträgt zwischen 50.000 und 100.000 €, was für
die allermeisten Pakistanis absolut unerschwinglich ist. Die kleine
Zwei-Zimmer Wohnung kostet übrigens im Verhältnis bescheidene 70 €
im Monat, auch das ein Preis, der für viele schon zu hoch ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen