Mittwoch, 9. April 2014

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen


  1. April, Sonntag
Da am Samstag in Lahore ein Orientation Seminar für die Pakistanis die im Sommer nach Deutschland kommen stattgefunden hat, sind Karen und ich am Freitag Abend von Islamabad mit dem wirklich sehr komfortablen Bus inklusive Wlan über den neuen, gut ausgebauten und für von Tieren gezogenen Karren gesperrten Highway nach Lahore gefahren. Lahore ist im Gegensatz zu Islamabad eine richtige pakistanische Stadt. Während Islamabad relativ ruhig ist und auch der Verkehr sehr erträglich ist, ist Lahore so wie das urbane Pakistan wirklich ist: Voll, laut, dreckig aber auch sehr bunt, lebendig und es ist immer etwas los. Außerdem ist Lahore bekannt als die kulturelle Hauptstadt Pakistans. Trotzdem werden jetzt erst in Pilotprojekten die offenen Abwasserkanäle in geschlossene Abwasserleitungen umgebaut und auch sonst ist vieles wirklich noch sehr rückständig. Transporte innerhalb der Stadt werden oft mit Eselkarren vollzogen, wer sich zum Beispiel ein neues Sofa kauft kann fast sicher davon ausgehen, dass dieses von einem Esel mit Anhänger geliefert wird. Prof. Jamal Malik und vor ihm der Philosoph Ernst Bloch nennen das die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Ansonsten stehen an jeder Ampel Kinder und Erwachsene die einem die verschiedensten Dinge verkaufen wollen oder aber auch einfach nur betteln. Während der drei Tage habe ich fast alle Klassen von normal arm bis für pakistanische Verhältnisse sehr wohlhabend erlebt. Mein pakistanischer Freund Suleman, den ich auf der Fall School letztes Jahr kennen gelernt habe und der Weihnachten mit meiner Familie verbracht hat, wohnt mit seinen vier Schwestern und seiner Mutter in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung plus Miniküche und Minibad.

Das ist zwar nur eine temporäre Wohnung, die gemietet wurde damit die eigentlich im Dorf wohnende Familie beim einzigen Sohn sein kann während dieser studiert. Allerdings leben natürlich viele Familien immer unter solchen Bedingungen, die für pakistanische Verhältnisse wirklich noch ziemlich gut sind. Die zweite Wohnung die ich gesehen habe war dann schon in einer gehobenen Gegend und bestand aus drei Zimmern mit aufwendigerer Einrichtung. Das mit Abstand beste Haus, das ich letztes Wochenende gesehen habe, stand in einer sogenannten Gated Community und war eigentlich vergleichbar mit einem großen Reihenhaus in Deutschland. Der Preis für so ein Haus beträgt zwischen 50.000 und 100.000 €, was für die allermeisten Pakistanis absolut unerschwinglich ist. Die kleine Zwei-Zimmer Wohnung kostet übrigens im Verhältnis bescheidene 70 € im Monat, auch das ein Preis, der für viele schon zu hoch ist.


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